Wie die Stadtwerke Karlsruhe mit EMAS Umweltverantwortung leben
mit Markus Schleyer, Leiter des Referates Umweltschutz bei den Stadtwerken Karlsruhe
Darum geht's in dieser Folge
Seit über 30 Jahren navigieren die Stadtwerke Karlsruhe mit EMAS durch die komplexe Welt aus Umweltauflagen, Energiegesetzen und Klimavorgaben. Diese Episode zeigt, wie ein spartenübergreifender Energie- und Trinkwasserversorger das Managementsystem als Kompass nutzt – von der Blühwiese über das schottische Hochlandrind Bobby bis hin zum Umbau der Energieversorgung. Und wie Regionalität und ein klares Angebotsprinzip dafür sorgen, dass Klima- und Umweltschutz für die Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe ganz einfach zur Normalität werden.
Markus Schleyer ist Leiter des Referats Umweltschutz bei den Stadtwerken Karlsruhe und seit vielen Jahren treibende Kraft hinter der EMAS-Zertifizierung des Unternehmens. Unter seiner Verantwortung entwickeln die Stadtwerke ihre EMAS-Umwelterklärungen kontinuierlich weiter und wurden dafür unter anderem mit dem Umweltmanagement-Preis in der Kategorie „Beste Umwelterklärung“ ausgezeichnet.
EMAS als Kompass
Wie das Umweltmanagement-System durch den Dschungel der Vorgaben führt
Die Stadtwerke Karlsruhe sind ein vielseitig aufgestelltes Unternehmen: Alle Energiesparten, Netzbetrieb, Trinkwasserversorgung für rund 400.000 Menschen, ein großer Fuhrpark, eine Kantine und rund 1.300 Mitarbeitende. Diese Vielfalt bringt eine große Komplexität mit sich.
Auf das Unternehmen wirken zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Vorgaben ein – von EU-Richtlinien über nationale Energiegesetze bis hin zu kommunalen Klimavorgaben. Hinzu kommen gesetzliche und regulatorische Anforderungen und die Pflichten als kritische Infrastruktur, z. B. im Bereich IT-Sicherheit.
Im Laufe der Jahre ist bei den Stadtwerken Karlsruhe eine klare Haltung gewachsen: Alle Umwelt-, Energie- und Klimathemen werden dem EMAS-System zugeordnet. „Die große Stärke von EMAS ist die klare Struktur“, erklärt Markus Schleyer, Referatsleiter Umweltschutz bei den Stadtwerken Karlsruhe.
Genau diese Struktur hilft dabei, die Vielschichtigkeit zu bewältigen. Das Umweltmanagementsystem gibt einen klaren Rahmen vor: den Plan-Do-Check-Act-Zyklus. Jedes Jahr werden neue Umweltprogrammpunkte geplant, Maßnahmen umgesetzt, Ergebnisse durch unabhängige Umweltgutachter überprüft und mit der Geschäftsführung reflektiert. Das Ganze ist messbar, zahlenbasiert und mit konkreten Zielen hinterlegt. „Die EMAS-Systematik hilft uns, durch den Dschungel der Vorgaben und vielen Regeln und Regulatoriken durchzukommen“, so Markus.
Drei Jahrzehnte EMAS
Von der Pilotphase zur gelebten Praxis
Als erstes Versorgungsunternehmen in Baden-Württemberg wurden die Stadtwerke Karlsruhe 1996 ins EMAS-Register eingetragen. Der Weg dorthin begann bereits Anfang der 1990er Jahre.
Das Unternehmen erkannte früh, dass Umweltschutz und Klimawandel relevante Themen für die Energieversorgung sind. Die Zielsetzung: sukzessive die Emissionen senken – bis 2040 will das Unternehmen treibhausgasneutral sein.
Nach 30 Jahren ist EMAS kein Pflichtprogramm mehr, sondern gelebte Praxis. Die Frage, ob nach so langer Zeit noch neue Ideen für Umweltprogramme gefunden werden, beantwortet Markus eindeutig: „Aus der aktuellen Umwelterklärung mussten wir aus Platzgründen sogar drei, vier Umweltprogrammpunkte wieder rausstreichen.“
Jedes Jahr gibt es 15 bis 25 Umweltprogrammpunkte, die sich an den wesentlichen Umweltaspekten orientieren. Dazu gehören der Ausbau der Energieinfrastruktur und der Umbau der Stromnetze, aber auch Biodiversitätsprojekte wie die Renaturierung von Mooren oder die Anlage von Blühwiesen mit Auszubildenden.
„Die Möglichkeiten sind bei EMAS riesengroß. Deutlich größer als bei der ISO 50001, die sich sehr stark auf Energiethemen fokussiert“, betont Markus.
Von hier, für alle
Wie regionale Nähe und klimafreundliche Angebote zusammenwirken
Als regional verankertes Unternehmen spielt die enge Verbindung zur Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern eine wesentliche Rolle für die Stadtwerke Karlsruhe. „Wir sind ein Unternehmen von hier und für die Leute von hier”, bringt es Markus auf den Punkt. Er sieht diese Verbundenheit als klaren Vorteil, um Themen wie Klima- und Umweltschutz besser zu kommunizieren und zu platzieren. Denn die Menschen sehen: Das Unternehmen ist Teil ihrer Lebenswelt und gestaltet die Zukunft der Region aktiv mit.
Aus dieser Nähe heraus verfolgen die Stadtwerke Karlsruhe einen klaren Ansatz: Sie wollen es den Menschen leicht machen, CO₂-arm zu leben, ohne dass diese sich intensiv mit dem Thema beschäftigen müssen. Das Unternehmen setzt auf attraktive Angebote, die Klimaschutz zur Normalität machen. „Wir wollen ja nicht nur Energiepartner, sondern auch Lebenspartner sein“, erklärt Markus. Lebenspartner bedeutet hier: ein Unternehmen, das nah an den Menschen ist und die Grunddaseinsvorsorge für Karlsruhe übernimmt.
Ein zentrales Element ist die Angebotsgestaltung. Wer heute einen Stromtarif bei den Stadtwerken Karlsruhe abschließt, erhält standardmäßig Ökostrom. „Sie bekommen bei uns keinen anderen mehr“, so Markus. Das macht die Entscheidung für klimafreundliche Energie einfach. Sie fällt schlicht von selbst.
Auch beim Trinkwasser zeigt sich dieser Ansatz. Die Stadtwerke Karlsruhe versorgen rund 400.000 Menschen mit dem Lebensmittel Nummer eins – und das mit einem sehr geringen CO₂-Fußabdruck. Keine aufwendige Aufbereitung, keine Chemie, ausschließlich Ökostrom im Betrieb: Die Versorgung ist so gestaltet, dass Emissionen auf ein Minimum reduziert sind. Die verbleibende geringe Menge wird über Klimaschutzprojekte ausgeglichen, was die Stadtwerke als „Klimaengagement außerhalb der Wertschöpfungskette“ bezeichnen, um den neuen EU-Vorgaben gegen Greenwashing gerecht zu werden.
Mehr als Energie und Wasser
Was die Stadtwerke Karlsruhe im Rahmen von EMAS konkret umsetzen
EMAS gibt den Stadtwerken Karlsruhe jedes Jahr einen strukturierten Rahmen, um konkrete Maßnahmen zu planen und umzusetzen. 15 bis 25 Umweltprogrammpunkte sind es pro Jahr, orientiert an den wesentlichen Umweltaspekten des Unternehmens.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Thema Biodiversität. Gemeinsam mit Auszubildenden haben die Stadtwerke Karlsruhe zuletzt eine große Blühwiese am Verwaltungsgebäude angelegt – ein sichtbares Zeichen dafür, dass Umweltschutz auch im direkten Unternehmensumfeld beginnt. Darüber hinaus engagiert sich das Unternehmen bei der Renaturierung von Mooren – einem Projekt, das weit über das klassische Energieversorger-Geschäft hinausgeht.
Besonders anschaulich wird der EMAS-Ansatz am Projekt rund um das schottische Hochlandrind Bobby. Die Idee kam aus der Kantine: Der Koch schlug vor, ein Rind über drei Jahre nachhaltig aufziehen zu lassen – ganzjährig draußen, in einer Herde, südlich von Karlsruhe. „Jeder konnte jederzeit hinfahren und sich Bobby anschauen“, erzählt Markus.
Nach der Schlachtung wurde das Fleisch nicht einfach ins Kantinenangebot eingespeist. Stattdessen gab es über den Winter einmal im Monat ein sogenanntes Sonntagsessen: Die Küche kochte verschiedene Rindgerichte vor, vakuumierte sie, und die Mitarbeitenden konnten sie mit nach Hause nehmen.
Die Einnahmen daraus wurden vollständig an die Kulturküche Karlsruhe gespendet – eine gemeinnützige Einrichtung, die auch Menschen versorgt, die sich ein Essen nicht leisten können.
Das Projekt war so erfolgreich, dass es eine Fortsetzung gibt: Aktuell ist Balthasar am Start – Hochlandrind Nummer zwei. Und bereits in Planung: Wasserbüffel auf feuchten Flächen rund um Karlsruhe. „All das sind EMAS-Umweltprogrammpunkte”, bestätigt Markus – messbar, dokumentiert und Teil des jährlichen Zyklus.
Die Umwelterklärung, die all diese Maßnahmen dokumentiert, schreiben die Stadtwerke Karlsruhe bewusst selbst. Das Ergebnis ist authentisch und wird vom unabhängigen Umweltgutachter auf Herz und Nieren geprüft. „Wenn ein Gutachter sagt, das, was ihr da geschrieben habt, das ist authentisch, dann ist das ein großer Mehrwert”, so Markus. Gerade mit Blick auf die neuen EU-Vorgaben gegen Greenwashing ist diese externe Validierung ein handfester Vorteil.