Dr. Jörg Nitzsche ist Geschäftsführer der DBI – Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg. Er verantwortet das Ressort Forschung & Entwicklung. Aktuell bearbeitet das DBI Gastechnologische Institut gGmbH Freiberg 20 Forschungsprojekte, darunter das Wasserstoff-Leitprojekt H2Giga.
Im Projekt H2Giga arbeiten wir mit über 120 Partnern daran, die Grundlagen für die Serienproduktion von Elektrolyseuren zu schaffen und damit den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft massiv zu beschleunigen.
Dr. Jörg Nitzsche: Neben den rein technologischen Herausforderungen wie der Weiterentwicklung und Skalierung der Elektrolyse-Technologien stehen uns auch nicht-technische Hürden im Weg. Ein großes Problem ist die fehlende Standardisierung: Für viele Verfahren, wie die alkalische Elektrolyse oder die Festoxid-Elektrolyse, gibt es keine einheitlichen Normen. Diese regulatorischen Lücken erschweren den Markthochlauf.
Hinzu kommen bürokratische Hindernisse, beispielsweise komplizierte und langwierige Genehmigungsverfahren, die die Umsetzung von Projekten stark verzögern können.
Dr. Jörg Nitzsche: Um die dringendsten Normungsbedarfe zu ermitteln, haben wir Hersteller und Betreiber von Elektrolyseanlagen direkt einbezogen. Dabei wurde klar, dass es insbesondere bei der Festlegung von Leistungsparametern, Sicherheitsanforderungen und der Gasqualität dringenden Handlungsbedarf gibt. Diese Erkenntnisse fließen in nationale und europäische Normungsgremien ein, um die bestehenden Standards anzupassen oder neue zu schaffen. Es ist ein langwieriger Prozess, aber er ist zentral für den Erfolg der Wasserstoffwirtschaft.
Viele Projekte werden durch bürokratische Hürden verzögert. Die Digitalisierung von Genehmigungsprozessen, wie es das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz vorsieht, könnte hier helfen.
Dr. Jörg Nitzsche: Aktuell sind die Genehmigungsverfahren in Deutschland sehr komplex und uneinheitlich. Je nach Projekt kommen unterschiedliche Verfahren zur Anwendung, die von zahlreichen Behörden geprüft werden müssen. Diese bürokratischen Hürden verzögern viele Projekte erheblich. Hier könnten Maßnahmen wie das geplante Wasserstoffbeschleunigungsgesetz helfen. Es sieht vor, die Genehmigungsprozesse zu digitalisieren und kleinere Anlagen schneller zu genehmigen. Zudem sollten die Behörden personell und finanziell besser ausgestattet werden, um die steigende Zahl an Genehmigungsanträgen effizient bearbeiten zu können.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Nitzsche!
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